Schweißerprüfung nach ISO 9606-1, ASME IX und AWS D1.1: Gültigkeit und Verlängerung
Einmal geprüft. Gültig nur, wenn Sie es pflegen.
Ein Schweißerzertifikat ist keine Lizenz auf Lebenszeit. Jede Norm bindet es an fortgesetztes Schweißen, und ISO 9606-1 verlangt zusätzlich Bestätigungen und eine Verlängerung. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Schweißerprüfung funktioniert und was nötig ist, damit Zertifikate gültig bleiben.
Was ist eine Schweißerprüfung?
Die Schweißerprüfung weist nach, dass eine Person mit einem bestimmten Verfahren, Werkstoff, einer Dicke und Position einwandfreie Nähte herstellen kann. Sie ist von der Verfahrensprüfung getrennt: Die WPQR weist das Verfahren nach, die Schweißerprüfung die Person, die der Schweißanweisung folgt.
Die wichtigsten Normen sind:
- ISO 9606-1 – Prüfung von Schweißern für das Schmelzschweißen von Stählen (weitere Teile behandeln zum Beispiel Aluminium).
- ISO 14732 – Qualifizierung von Bedienern und Einrichtern für mechanisiertes und automatisches Schweißen.
- ASME Section IX – Welder and Welding Operator Performance Qualification (WPQ) für Druckgeräte.
- AWS D1.1 – Schweißerqualifikation für den Stahlbau.
Die Prüfung
Der Schweißer schweißt ein Prüfstück nach einer pWPS oder WPS. Das Prüfstück wird einer Sichtprüfung unterzogen und dann – je nach Norm und Nahtart – durch Durchstrahlung oder Ultraschall, Biege-, Bruch- oder Makroprüfung geprüft. Nach ISO 9606-1 beaufsichtigt ein Prüfer oder eine Prüfstelle die Prüfung und stellt die Prüfungsbescheinigung aus.
Wie die Verfahrensprüfung hat auch die Schweißerprüfung einen Geltungsbereich: für Verfahren, Produktform (Blech oder Rohr), Nahtart, Werkstoffgruppen, Zusatzarten, Dicken, Durchmesser und Positionen. Nach ISO 9606-1 fasst die Bezeichnung auf der Bescheinigung diesen Bereich zusammen:
ISO 9606-1 135 P BW FM1 S t10 PA ss nb – Prozess 135 (MAG), Blech, Stumpfnaht, Schweißzusatzgruppe FM1, Massivdraht, Prüfstückdicke 10 mm, Wannenposition, einseitig ohne Badsicherung geschweißt.
Jedes Element bestimmt, was der Schweißer in der Fertigung schweißen darf – deshalb ist der Abgleich von Schweißern und Schweißanweisungen von Hand so fehleranfällig.
Gültigkeit und Verlängerung nach ISO 9606-1
Nach ISO 9606-1 beginnt die Gültigkeit mit dem Tag, an dem das Prüfstück geschweißt wurde. Damit sie erhalten bleibt, sind zwei Dinge nötig:
1. Bestätigung alle sechs Monate
Alle sechs Monate bestätigt die Schweißaufsicht des Arbeitgebers oder eine andere verantwortliche Person auf der Bescheinigung, dass der Schweißer im Geltungsbereich gearbeitet hat. Hat der Schweißer mehr als sechs Monate nicht mit dem Verfahren geschweißt oder gibt es einen begründeten Zweifel an seinen Fähigkeiten, ist die Qualifikation nicht mehr gültig.
2. Verlängerung
ISO 9606-1 (Abschnitt 9.3) bietet dem Hersteller drei Wege zur Verlängerung. Die gewählte Option wird bei der Ausstellung auf der Bescheinigung angegeben:
| Option | Anforderung | Gültigkeit |
|---|---|---|
| a) | Neue Schweißerprüfung | Wiederholungsprüfung alle 3 Jahre |
| b) | Zwei Nähte aus den letzten 6 Monaten der Gültigkeit durch Durchstrahlung, Ultraschall oder zerstörend geprüft und dokumentiert | Verlängerung alle 2 Jahre |
| c) | Schweißer arbeitet beim selben Hersteller mit Qualitätssystem nach ISO 3834-2 oder ISO 3834-3; Fertigungsnähte mindestens zweimal jährlich volumetrisch oder zerstörend geprüft und dokumentiert | Gültig, solange die Bedingungen erfüllt sind |
Die Optionen b) und c) setzen Prüfnachweise aus der Fertigung voraus. Fehlen diese, kann die Bescheinigung nicht verlängert werden, und der Schweißer muss erneut geprüft werden.
ASME IX und AWS D1.1: Kontinuität
ASME Section IX und AWS D1.1 arbeiten nicht in gleicher Weise mit halbjährlichen Unterschriften auf der Bescheinigung; sie setzen auf Kontinuität:
| ISO 9606-1 | ASME Section IX | AWS D1.1 | |
|---|---|---|---|
| Grundregel | Bestätigung alle 6 Monate plus Verlängerung nach Option a), b) oder c) | Gültig, solange der Schweißer das Verfahren weiter anwendet | Unbegrenzt gültig, solange der Schweißer das Verfahren weiter anwendet |
| Erlischt, wenn | Mehr als 6 Monate nicht mit dem Verfahren geschweißt oder begründeter Zweifel | Verfahren 6 Monate oder länger nicht angewendet oder begründeter Zweifel | Verfahren 6 Monate nicht angewendet oder begründeter Zweifel |
| Nachweise | Unterschriebene Bestätigungen, Prüfnachweise für b) oder c) | Kontinuitätsnachweise je Schweißer und Verfahren | Kontinuitätsnachweise je Schweißer und Verfahren |
In allen drei Normen liegt die Verantwortung beim Arbeitgeber. Die praktische Frage ist immer dieselbe: Können Sie für jeden Schweißer und jedes Verfahren zeigen, dass die Qualifikation an dem Tag gültig war, an dem eine Naht geschweißt wurde?
Den Überblick behalten
- Ein Eintrag je Qualifikation, nicht je Schweißer: Ein Schweißer mit drei Verfahren hat drei Gültigkeitszeiträume.
- Verlängerung früh planen. Für Option b) müssen die Prüfnähte aus den letzten sechs Monaten der Gültigkeit stammen – das muss geplant, nicht entdeckt werden.
- Kontinuität dokumentieren. Halten Sie fest, welcher Schweißer welches Verfahren bei welchem Auftrag eingesetzt hat – Ihr Nachweis nach ASME IX und AWS D1.1 und Grundlage der ISO-Bestätigungen.
- Vor der Planung abgleichen. Prüfen Sie, ob der Geltungsbereich des Schweißers die WPS abdeckt – Verfahren, Werkstoffgruppe, Dicke, Durchmesser und Position –, bevor Sie den Auftrag vergeben.
- Nachweis vor Ort. Prüfer fragen danach; ein aktueller Schweißerpass beantwortet die Frage in Sekunden.
So geht es mit weldXpert
weldXpert füllt vollständige WPQ-Zertifikate aus den erfassten Prüfwerten aus, zeigt, welche Schweißer für jede WPS geprüft sind, hebt Ablaufdaten farbig hervor und sendet im letzten Monat vor Ablauf mehrere E-Mail-Erinnerungen. Ein Schweißerpass entsteht aus den gespeicherten Prüfungen in zwei Klicks.
Fragen zu Schweißerprüfungen.
Wie lange ist eine Schweißerprüfung nach ISO 9606-1 gültig?
Das hängt von der Verlängerungsoption ab, die der Hersteller wählt: Wiederholungsprüfung alle 3 Jahre (Option a), Verlängerung alle 2 Jahre auf Basis geprüfter Fertigungsnähte (Option b) oder fortlaufende Gültigkeit mit Qualitätssystem nach ISO 3834-2/-3 und regelmäßigen Prüfungen (Option c). In allen Fällen ist alle sechs Monate eine Bestätigung nötig.
Was ist die halbjährliche Bestätigung?
Alle sechs Monate bestätigt die Schweißaufsicht oder eine andere verantwortliche Person des Arbeitgebers auf der Bescheinigung, dass der Schweißer im Geltungsbereich gearbeitet hat.
Was passiert, wenn ein Schweißer sechs Monate nicht geschweißt hat?
Nach ISO 9606-1, ASME IX und AWS D1.1 erlischt die Qualifikation für dieses Verfahren, wenn es sechs Monate nicht angewendet wurde (ISO: mehr als sechs Monate). Der Schweißer muss dann erneut geprüft werden.
Was ist der Unterschied zwischen ISO 9606-1 und ISO 14732?
ISO 9606-1 prüft Schweißer, die Brenner oder Elektrode von Hand bzw. teilmechanisiert führen. ISO 14732 qualifiziert Bediener und Einrichter für vollmechanisiertes und automatisches Schweißen.
Ist die Schweißerprüfung an den Arbeitgeber gebunden?
Nach ISO 9606-1 liegen die Bestätigungen und die Verlängerungsoptionen b) und c) in der Verantwortung des Arbeitgebers, und Option c) ist an denselben Hersteller gebunden. Wechselt ein Schweißer den Arbeitgeber, muss der neue Arbeitgeber die Gültigkeit feststellen.
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